13. November 2014 17 Uhr

IMM Studio A 2.24

Hauschka über die Verwendung der Zufallsoperation

Wenn man sich intensiv mit Musik beschäftigt und gerne in dem Beruf arbeiten möchte, ist die Frage in welchem Gebiet man arbeiten möchte sehr wichtig. Je nachdem in welchem Umfeld man aufwächst haben künstlerische Ansprüche weniger Wert als handwerkliche und umgekehrt. Die Frage des Lebensunterhalts führt oft in Richtungen, die falsch erscheinen oder lässt an der Wertigkeit der eigenen Kunst zweifeln.
Volker Bertelmann möchte in einem biographischen Vortrag exemplarisch Richtungswechsel im Leben, die Zufälle und das Unerwartete in der Musik und die Vielfältigkeit von Möglichkeiten erörtern und hinterfragen. Ausgehend von seiner eigenen Lebensgeschichte wird er der Frage, warum gerade der Erfolg mit dem wohl unpopulärsten Schritt in seiner Biographie zusammenhängt und wie Einschnitte und Veränderungen in der Wahrnehmung der Umgebung dabei helfen, nachgehen. Der Gebrauch von Zufällen und beabsichtigter Dehnung der eigenen Gewohnheit ist eine Möglichkeit, damit sich der Zugang zu Neuem eröffnet. Dafür steht seine Arbeit mit dem präpariertem Klavier, auf die Volker Bertelmann näher eingegangen wird.

Volker Bertelmann begann unter dem Namen Hauschka mit einem präparierten Piano zu arbeiten, ohne von John Cage gehört zu haben. Der Düsseldorfer Pianist erforscht seit 2005 die Klangräume, die sich unter dem Einfluss von Tischtennisbällen, Bierdeckeln, Dosen und Radiergummis auftun, wenn man diese zwischen Hammer und Saite legt. Kleinkram, Fremdkörper, Fundstücke, wie auch immer man das nennen möchte. Metall, Papier, Holz, Gummi, Filz – mit den Materialien unserer Welt schafft Bertelmann ein Universum, das sich weit über die mit seinem Instrument konnotierten Klänge hinauslehnt. Das Spiel auf dem präparierten Piano wird bei ihm zu einem über viele Alben fortgesetzten Adventure in sound. Unter Volker Bertelmanns zahlreichen Arbeiten haben die Hauschka-Alben die größte Resonanz bei Publikum und Kritik erfahren.

 

11. Dezember 2014 17 Uhr

IMM Studio A 2.24

Max Hattler über Film zwischen Abstraktion und Figuration

Der deutsche Künstler Max Hattler beschäftigt sich in seinem Werk mit dem Raum zwischen Abstraktion und Figuration im bewegten Bild, wo Narrative von den Begrenzungen traditionellen Geschichtenerzählens entkoppelt wird. Sein Schaffensbereich umspannt abstrakte Animation und audiovisuelle Live-Performance. Inhaltlich befassen sich seine Arbeiten mit Mikrokosmen, Momentaufnahmen und Atmosphären: Nahaufnahmen als Reflektionsflächen für das größere Ganze; Ästhetik als Reflektionsfläche für Politik.

In seinem Vortrag zeigt Max Hattler einige seiner Arbeiten und bietet einen Einblick in seine Arbeitsweise.

Max Hattler studierte in London am Goldsmiths College (BA), am Royal College of Art (MA) und an der University of East London (Doctorate in Fine Art). Seine Filme wurden vielfach ausgezeichnet, unter anderem beim Cannes Lions Festival, Punto y Raya Festival, Videologia, Videofestival Bochum, London International Animation Festival, Darklight Festival und bereits mehrfach mit dem Visual Music Award.

Seine Arbeiten wurden unter anderem bei Playgrounds Festival, Lumen Eclipse, Media Art Friesland, Fest Anca, ISFF Detmold, Fredrikstad Animation Festival und dem Branchage Jersey Film Festival in Retrospektiven und Einzelausstellungen, sowie in den Wettbewerben unzähliger Festivals präsentiert. Des Weiteren waren Hattler’s Filme Teil der Wanderausstellungen von EMAF, Videoformes, onedotzero, Resfest, MGFest, The Animation Show, L’Alternativa, Animac, AURORA, und den British Animation Awards. Max Hattler hat mit Musikern und Bands wie Basement Jaxx, Julien Mier, Jovanotti, Pixelord, The Egg, Jemapur und seinem Vater Hellmut Hattler zusammengearbeitet. Er lebt in London, wo er Dozent am Goldsmiths College ist.

 

29. Januar 2015 17 Uhr

IMM Studio A 2.24

Frank Kruse über die Orchestrierung von Soundeffekten für einen Kinofilm

In seinem Vortrag erläutert Frank Kruse unterschiedliche Arbeitsweisen und kreative Prozesse im Rahmen von engen Zeitplänen; die verschwimmende Grenze zwischen Sound Design und Mischung; den Wald vor lauter Bäumen noch sehen; die Arbeit des Supervising Sound Editors zwischen Produktion, Regie, Komponist, Editor und Soundteam am Beispiel der beiden Spielfilme Cloud Atlas und Rush.

Seit dem Abschluss im Studiengang Ton an der HFF Potsdam-Babelsberg arbeitet Frank Kruse als freiberuflicher Tonmeister, Sound Designer und Supervising Sound Editor im Bereich Kinofilm. Er hat an zahlreichen deutschen und internationalen Kinoproduktionen sowohl als Originaltonmeister als auch als Sound Designer bzw. Supervising Sound Editor gearbeitet. Für Tom Tykwers Film Das Parfum erhielt er den Deutschen Filmpreis für beste Tongestaltung und wurde 2014 für einen BAFTA-Award für seine Arbeit an Ron Howards Film Rush nominiert. Zur Zeit arbeitet er an Ron Howards neuem Film Heart of the Sea und Tom Tykwers Film A Hologram for the King.

 

16. April 2015 17 Uhr

IMM Studio A 2.24

Philipp Holstein über das Schreiben über Musik

Wer über Musik schreibt, ist ein Übersetzer: Er übersetzt etwas Unsichtbares in Bilder.
Der Musikkritiker hat es schwerer als seine Kollegen aus der Literatur-, Film- und Kunstkritik. Er kann sich nicht am roten Faden einer Handlung orientieren oder sich in die Beschreibung flüchten. Er muss schöpferisch tätig werden und Vergleiche finden, die die Wirkung des Gehörten illustrieren. Diese Beschreibungen dürfen indes nicht aus der Luft gegriffen sein. Es gibt Maßgaben dafür. Sie ermöglichen es, etwa ein Konzerterlebnis individuell und stilistisch mit eigenen Akzenten zu beschreiben, dabei aber in der Wertung objektiv zu bleiben. Wie sieht also eine gute Musikkritik aus? Wie bereitet sich ein Musikkritiker vor? Wie vermittelt er zwischen Unterhaltung und Information? Wie sieht sein Alltag aus? Und wie unabhängig kann er sein?

Philipp Holstein, geboren 1972, ist Musik- und Filmkritiker bei der Rheinischen Post in Düsseldorf. Er gehört der Jury für den Deutschen Schallplattenpreis an und wurde 2011 für seine journalistische Arbeit mit dem Kulturförderpreis der Landeshauptstadt Düsseldorf in der Sparte Literatur ausgezeichnet. An der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf ist er Lehrbeauftragter im Institut für Kultur- und Medienwissenschaften.

 

Archiv

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