17. April 2014 17 Uhr

IMM Studio A 2.24

Robert Henke über Kunst aus der Maschine

Der Traum vom universellen Werkzeug voller unbegrenzter und unerforschter Möglichkeiten ist längst Realität. Und dies ist nicht nur ein Segen, sondern vor allem auch eine ganz neue Herausforderung.

Wenn Komponist zugleich Schöpfer des Instruments ist, wo fängt dann Komposition an? Und umgekehrt, wenn das Instrument so speziell ist und so stark das Ergebnis prägt, wer ist dann Urheber eines Werkes, das mit einer spezifischen Software oder einer spezifischen Parametrisierung ebendieser realisiert wurde und wenn dabei diese Software oder diese Einstellungen auch nicht vom Künstler, sondern von einem ungenannten Techniker erstellt wurden? Welche Rolle hat in diesem Zusammenhang der Austausch von Ideen und technischen Konzepten?

Die Grenzen verschwimmen und die nötigen und erwarteten Qualifikationen der Künstler verändern sich mit der Rolle der Werkzeuge. So problematisch viele Aspekte des künstlerischen Schaffensprozesses mit Maschinen ist, so sehr ermöglichen neue Technologien nicht nur bis dato unerhörte und ungesehene Resultate, sondern eben auch ganz andere Herangehensweisen an die zugrundeliegenden Prozesse künstlerischer Wertschöpfung.

Robert Henke, geboren 1969, oszilliert zwischen dem Erstellen von Software, der Komposition und Aufführung unterschiedlichster Formen elektronischer Musik und der Erforschung audiovisueller Welten. Im Sommer 2013 lehrt er als Artist in Residence am Center for Computer Research in Music and Acoustics (CCRMA) und entwickelt mit seinen Studierenden eine komplexe virtuelle Klangmaschine. Für Herbst 2013 steht die Premiere einer neuen audiovisuellen Performance mit dem Titel Lumière auf dem Programm.

 

22. Mai 2014 17 Uhr

IMM Studio A 2.24

Matthias Raue über den Weg vom Drehbuch zum Filmscore

In seinem Vortrag zeigt Matthias Raue Kompositionstechniken auf, spricht über deren Wirkung und den Produktionsprozess. Er zeigt den Weg vom Drehbuch zum Filmscore.

Filmmusik ist funktionale Musik. Der Filmkomponist muss Kompositionstechniken aller Genres beherrschen und um der Dramaturgie des Films gerecht zu werden, muss er sich der Funktion der Musik in den einzelnen Cues bewusst werden.

Die Großartigkeit der Wirkung von Bild und Musik bildet die Seele eines Films. Musik kann verändern, Ebenen ergänzen und dramaturgische Abläufe verdeutlichen. Worin liegen die Schwierigkeiten in der Kommunikation mit Regisseur und Produzent? Wie beeinflussen sich Musik und Sounddesign? Wie finde ich die erste Idee zur Komposition?

Matthias Raue ist Komponist, Produzent, Arrangeur und Musiker. Er studierte Schulmusik und weitere vier Jahre in Berlin bei Isang Yun Komposition. Neben Kompositionen für das Fernsehen hat Raue Theatermusiken für das TAT Frankfurt, Ballettmusik für die Stadttheater Würzburg, Darmstadt, Mannheim, Alte Oper Frankfurt und ein Musical für das Ohio Theatre New York, Staatstheater Stuttgart) geschrieben.
Zusammen mit Ulla Meinecke, Klaus Hoffmann oder Konrad Beikircher ging er als Musiker auf Tournee. In seinem kompositorischen Spektrum, das von einfachen Songs bis zur Avantgardemusik reicht, überschreitet er die Grenzen zwischen den einzelnen Sparten. Raue lebte einige Jahre in New York, wo er auch heute noch eine Dependance hat. 1982 gründete er den Musikverlag Tanit und ein Musikstudio Gutleut in Frankfurt am Main. Er unterrichtet an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg Filmkomposition. 2008 wurde er dort zum Professor berufen.
Viele der Filmmusiken sind in Zusammenarbeit mit dem Komponisten Martin Cyrus entstanden. Die bekannteste seiner Kompositionen ist die Titelmusik für die Fernsehserie Löwenzahn. Seit der ersten Zusammenarbeit bei Jerusalem, Jerusalem 1977, ist Matthias Raue für die Filmmusik der Filme von Berengar Pfahl zuständig.

 

26. Juni 2014 17 Uhr

IMM Studio A 2.24

Heiner Martion über Lautsprecher und guten Klang
Der Ton macht die Musik. Wer gute Lautsprecher bauen will ist zentral mit dem Thema beschäftigt, was genau guten Klang ausmacht. In seinem Vortrag wird Heiner Martion sein persönliches Ranking folgender Begriffe im Bezug auf den Klang von Lautsprechern erläutern: Natürlichkeit, Neutralität, Dynamik, Linearität, Phasenlage/Zeit, Verzerrungen: Klirr-/ Intermodulation und das Abstrahlverhalten. Ausserdem wird er den Einsatzzweck bzw. -ort von Lautsprechern im Bezug auf deren Klang und der durch sie wiedergegebenen Musik diskutieren.
Heiner Basil Martion
studierte an der Technischen Universität in Berlin und schloss bei Prof. Manfred Krause in Studiotechnik ab. Praktische Kenntnisse sammelte er auch reichlich, da er seinen Unterhalt schon während des Studiums mit Lautsprecherbau, Raum-Klang-Optimierungen und Studioarbeit finanzierte.

1973 war Martion Gründungsmitglied der Firma ARCUS, die viele Testsieger hervorbrachte. Seine eigene Weiterentwicklung und seine Faszination der naturgegebenen Vorteile der Horntechnologie ließen ihn jedoch 1976 mit zwei Ingenieuren eine eigene Firma gründen, die auf der Funkausstellung 1977 stolz das erste Hifi-Kugelwellenhorn präsentierte. Die EXODUS war geboren. Seit dieser Zeit wurde sie konstant weiterentwickelt.

Ab 1997 baute Martion in Zusammenarbeit mit mehreren spezialisierten Firmen ein neues System auf: die ORGON, ein aktives Hornlautsprechersystem, das alle bisherigen Limits durchbrach. Zur HIGH-END 2000 wurde das Ergebnis zum ersten Mal vorgestellt und erhielt wegen der unglaublichen Resonanz das begehrte Prädikat Best sound of the show.

Während die ORGON immer mehr Freunde fand, entwickelte Martion eine neue Idee: Er wollte einen kompakten, transportablen Monitor bauen, der gleichermaßen für zarte wie für heftige Musik geeignet ist. Zur HIGH-END 2003 war die BULLFROG fertig und wurde gleich von anderen Ausstellern als Vorführlautsprecher eingesetzt. Von Anfang an stieß die BULLFROG auf helle Begeisterung.

 

13. November 2014 17 Uhr

IMM Studio A 2.24

Hauschka über die Verwendung der Zufallsoperation

Wenn man sich intensiv mit Musik beschäftigt und gerne in dem Beruf arbeiten möchte, ist die Frage in welchem Gebiet man arbeiten möchte sehr wichtig. Je nachdem in welchem Umfeld man aufwächst haben künstlerische Ansprüche weniger Wert als handwerkliche und umgekehrt. Die Frage des Lebensunterhalts führt oft in Richtungen, die falsch erscheinen oder lässt an der Wertigkeit der eigenen Kunst zweifeln.
Volker Bertelmann möchte in einem biographischen Vortrag exemplarisch Richtungswechsel im Leben, die Zufälle und das Unerwartete in der Musik und die Vielfältigkeit von Möglichkeiten erörtern und hinterfragen. Ausgehend von seiner eigenen Lebensgeschichte wird er der Frage, warum gerade der Erfolg mit dem wohl unpopulärsten Schritt in seiner Biographie zusammenhängt und wie Einschnitte und Veränderungen in der Wahrnehmung der Umgebung dabei helfen, nachgehen. Der Gebrauch von Zufällen und beabsichtigter Dehnung der eigenen Gewohnheit ist eine Möglichkeit, damit sich der Zugang zu Neuem eröffnet. Dafür steht seine Arbeit mit dem präpariertem Klavier, auf die Volker Bertelmann näher eingegangen wird.

Volker Bertelmann begann unter dem Namen Hauschka mit einem präparierten Piano zu arbeiten, ohne von John Cage gehört zu haben. Der Düsseldorfer Pianist erforscht seit 2005 die Klangräume, die sich unter dem Einfluss von Tischtennisbällen, Bierdeckeln, Dosen und Radiergummis auftun, wenn man diese zwischen Hammer und Saite legt. Kleinkram, Fremdkörper, Fundstücke, wie auch immer man das nennen möchte. Metall, Papier, Holz, Gummi, Filz – mit den Materialien unserer Welt schafft Bertelmann ein Universum, das sich weit über die mit seinem Instrument konnotierten Klänge hinauslehnt. Das Spiel auf dem präparierten Piano wird bei ihm zu einem über viele Alben fortgesetzten Adventure in sound. Unter Volker Bertelmanns zahlreichen Arbeiten haben die Hauschka-Alben die größte Resonanz bei Publikum und Kritik erfahren.

 

11. Dezember 2014 17 Uhr

IMM Studio A 2.24

Max Hattler über Film zwischen Abstraktion und Figuration

Der deutsche Künstler Max Hattler beschäftigt sich in seinem Werk mit dem Raum zwischen Abstraktion und Figuration im bewegten Bild, wo Narrative von den Begrenzungen traditionellen Geschichtenerzählens entkoppelt wird. Sein Schaffensbereich umspannt abstrakte Animation und audiovisuelle Live-Performance. Inhaltlich befassen sich seine Arbeiten mit Mikrokosmen, Momentaufnahmen und Atmosphären: Nahaufnahmen als Reflektionsflächen für das größere Ganze; Ästhetik als Reflektionsfläche für Politik.

In seinem Vortrag zeigt Max Hattler einige seiner Arbeiten und bietet einen Einblick in seine Arbeitsweise.

Max Hattler studierte in London am Goldsmiths College (BA), am Royal College of Art (MA) und an der University of East London (Doctorate in Fine Art). Seine Filme wurden vielfach ausgezeichnet, unter anderem beim Cannes Lions Festival, Punto y Raya Festival, Videologia, Videofestival Bochum, London International Animation Festival, Darklight Festival und bereits mehrfach mit dem Visual Music Award.

Seine Arbeiten wurden unter anderem bei Playgrounds Festival, Lumen Eclipse, Media Art Friesland, Fest Anca, ISFF Detmold, Fredrikstad Animation Festival und dem Branchage Jersey Film Festival in Retrospektiven und Einzelausstellungen, sowie in den Wettbewerben unzähliger Festivals präsentiert. Des Weiteren waren Hattler’s Filme Teil der Wanderausstellungen von EMAF, Videoformes, onedotzero, Resfest, MGFest, The Animation Show, L’Alternativa, Animac, AURORA, und den British Animation Awards. Max Hattler hat mit Musikern und Bands wie Basement Jaxx, Julien Mier, Jovanotti, Pixelord, The Egg, Jemapur und seinem Vater Hellmut Hattler zusammengearbeitet. Er lebt in London, wo er Dozent am Goldsmiths College ist.

 

29. Januar 2015 17 Uhr

IMM Studio A 2.24

Frank Kruse über die Orchestrierung von Soundeffekten für einen Kinofilm

In seinem Vortrag erläutert Frank Kruse unterschiedliche Arbeitsweisen und kreative Prozesse im Rahmen von engen Zeitplänen; die verschwimmende Grenze zwischen Sound Design und Mischung; den Wald vor lauter Bäumen noch sehen; die Arbeit des Supervising Sound Editors zwischen Produktion, Regie, Komponist, Editor und Soundteam am Beispiel der beiden Spielfilme Cloud Atlas und Rush.

Seit dem Abschluss im Studiengang Ton an der HFF Potsdam-Babelsberg arbeitet Frank Kruse als freiberuflicher Tonmeister, Sound Designer und Supervising Sound Editor im Bereich Kinofilm. Er hat an zahlreichen deutschen und internationalen Kinoproduktionen sowohl als Originaltonmeister als auch als Sound Designer bzw. Supervising Sound Editor gearbeitet. Für Tom Tykwers Film Das Parfum erhielt er den Deutschen Filmpreis für beste Tongestaltung und wurde 2014 für einen BAFTA-Award für seine Arbeit an Ron Howards Film Rush nominiert. Zur Zeit arbeitet er an Ron Howards neuem Film Heart of the Sea und Tom Tykwers Film A Hologram for the King.

 

Archiv

Hier finden Sie die Vorträge, die bereits stattgefunden haben.