16. April 2015 17 Uhr

IMM Studio A 2.24

Philipp Holstein über das Schreiben über Musik

Wer über Musik schreibt, ist ein Übersetzer: Er übersetzt etwas Unsichtbares in Bilder.
Der Musikkritiker hat es schwerer als seine Kollegen aus der Literatur-, Film- und Kunstkritik. Er kann sich nicht am roten Faden einer Handlung orientieren oder sich in die Beschreibung flüchten. Er muss schöpferisch tätig werden und Vergleiche finden, die die Wirkung des Gehörten illustrieren. Diese Beschreibungen dürfen indes nicht aus der Luft gegriffen sein. Es gibt Maßgaben dafür. Sie ermöglichen es, etwa ein Konzerterlebnis individuell und stilistisch mit eigenen Akzenten zu beschreiben, dabei aber in der Wertung objektiv zu bleiben. Wie sieht also eine gute Musikkritik aus? Wie bereitet sich ein Musikkritiker vor? Wie vermittelt er zwischen Unterhaltung und Information? Wie sieht sein Alltag aus? Und wie unabhängig kann er sein?

Philipp Holstein, geboren 1972, ist Musik- und Filmkritiker bei der Rheinischen Post in Düsseldorf. Er gehört der Jury für den Deutschen Schallplattenpreis an und wurde 2011 für seine journalistische Arbeit mit dem Kulturförderpreis der Landeshauptstadt Düsseldorf in der Sparte Literatur ausgezeichnet. An der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf ist er Lehrbeauftragter im Institut für Kultur- und Medienwissenschaften.

 

21. Mai 2015 17 Uhr

IMM Studio A 2.24

Regine Halter über das Eigene, das Fremde und den kreativen Geist

Idee, Geistesblitz, Genie, göttlicher Funke – es gibt kaum ein Terrain kreativen Arbeitens, das sich so immun zur Frage der eigenen kulturellen Prägung verhält, wie eben jene Geistesblitze, Eingebungen oder genialen Schlüsselmomente selbst. Und zwar mit steigender Tendenz: Wo Datenströme im grossen, ortlosen Space global fliessen, da scheint ein Nachdenken über das Woher und Wohin sinnlos. We are one world!
Ein Beispiel dafür ist die Entwicklung der Designkultur, die sich im globalen Konkurrenzkampf um Einfluss und Märkte mehr und mehr von der Wahrnehmung der eigenen gestalterischen Herkunft abkoppelt. Vielleicht wäre das nicht weiter bemerkenswert – tempi passati –, würde das sogenannte Global Design dabei nicht tatsächlich die kulturellen Codes westlicher Gesellschaften hemmungslos zelebrieren und damit vor allem eines effizient betreiben, nämlich die Nivellierung kulturellen Eigensinns.
Aber wo liegen die Alternativen zu dieser öden  Wiederkehr des Immergleichen, zu dieser doctrine d'unité? Ist das Nachdenken darüber nicht hoffnungslos sentimental und nostalgisch? Geht es hier um mehr Folklore? Oder wo liegt die Bedeutung kultureller Differenz für den Reichtum meiner eigenen Kreativität? Und warum heisst der Maggi-Würfel in Kamerun eigentlich cube africaine?

Prof. Dr. Regine Halter ist Dozentin für Gestaltungstheorie an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Basel. Dort unterrichtet sie am Institut HyperWerk und am Institut für Integratives Design / Masterstudio. Sie studierte Medienwissenschaft, Philosophie und Politikwissenschaft und war als Journalistin, Redakteurin und Theaterdramaturgin (Schauspiel Frankfurt) tätig. Als Programmdirektorin war sie viele Jahre für Ausstellungen und internationale Symposien zu Architektur, Design und Gestaltung im Informationszeitalter verantwortlich und leitete später ein EU-Projekt in Sarajevo. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen heute die  Perspektiven von Gestaltung im globalen Kontext. Zu diesem Thema leitet sie zur Zeit ein Forschungsprojekt, das sich mit der Veränderung gestalterischer Ausbildung an Kunst- und Gestaltungshochschulen befasst.

 

02. Juli 2015 17 Uhr

IMM Studio A 2.24

Michael Beil über Strategie als Kompositionstechnik

Um dem dominanten Formalismus in der Neuen Musik zu entkommen setzt Michael Beil in seinen Kompositionen auf die in diesem Lager weniger geschätzten musikalischen Effekte. Er geht davon aus, dass Musik immer zuerst emotional wahrgenommen wird. Diese Wirkung wird zum Beispiel in der Werbung und in konservativ oder kommerziell orientierter Musik genutzt. Aber auch um beim Publikum Irritation zu erzeugen muss von bereits bestehenden Bedeutungen ausgegangen werden. Erst wenn etwas Bekanntes erkennbar wird kann dies benutzt werden, um Verwirrung zu stiften. Aus der Perspektive von Michael Beil eignen sich in der Musik dafür am besten Klischees, Bilder und Zitate. Zur Verstärkung dieser Wirkung und auch der Verwirrungen sind für ihn Tonaufnahmen und Videos ein praktisches Mittel.

Ton und bewegtes Bild beeinflussen sich gegenseitig stark. Und dabei muss die Musik natürlich nicht verdeckt im Hintergrund arbeiten. Es hängt von bestimmten formalen und inhaltlichen Gesichtspunkten ab, ob das Video oder die Musik als dominantes Medium wahrgenommen werden. Und deshalb bestimmt das Spannungsfeld zwischen diesen beiden konkurrierenden zeitabhängigen Schichten in einer audiovisuellen künstlerischen Arbeit maßgeblich deren Wirkung und damit auch die Qualität und das Genre.
Wenn man zusätzlich für die Konzertsituation die visuelle Komponente des Bühnengeschehens als weiteres visuelles Element betrachtet und dabei zwischen fixierter und live-gespielter Musik unterscheidet, dann stehen die vier Elemente zur Verfügung, die in einem komplexen Zusammenspiel das letztendliche Gesamtbild einer multimedialen Arbeit formen: Video, Tape, Live-Aktion und Live-Klang.
In seinen aktuellen Kompositionen arbeite Michael Beil mit verschiedenen Konstellationen der Entkoppelung dieser Komponenten und der sich daraus ergebenden musikalischen Wirkungen auf das Publikum. 

Michael Beil studierte von 1984 bis 1993 in Stuttgart Klavier, Tonsatz und Komposition, von 1996 bis 2007 unterrichtete er an den Berliner Musikschulen in Kreuzberg und Neukölln. 2000 bis 2008 leitet Michael Beil das Festival Klangwerkstatt in Berlin. 2007 wurde er als Professor und Leiter des elektronischen Studios an die Hochschule für Musik und Tanz Köln berufen. Michael Beil verbindet seine Kompositionen über die Musik hinaus mit anderen audiovisuellen Medien.

 

05. November 2015 17 Uhr

IMM Studio A 2.24

Florian Opitz über die Arbeit eines Dokumentarfilmers

Florian Opitz ist Dokumentarfilmregisseur, Autor und Journalist. Er hat an den Universitäten Heidelberg und Köln Jura, Geschichte, Psychologie sowie Englische und Amerikanische Literaturwissenschaften studiert.

Seit 1998 hat Florian Opitz zahlreiche Dokumentationen und Dokumentarfilme für verschiedene deutsche und europäische Sender realisiert und als Lehrbeauftragter an verschiedenen Hochschulen Seminare zum Thema Dokumentarfilm gegeben. Seine Filme behandelten politische, historische und gesellschaftliche Themen.

Für sein international erfolgreiches Kinodebüt Der Große Ausverkauf wurde Florian Opitz 2009 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. Florian Opitz' zweiter abendfüllender Dokumentarfilm Speed. Auf der Suche nach der verlorenen Zeit (2012) war einer der erfolgreichsten Dokumentarfilme der letzten Jahre im deutschen Kino. Für seinen Film Die Macht der Stromkonzerne erhielt er 2015 seinen zweiten Grimme-Preis für Buch und Regie.

In seinem Vortrag stellt Florian Opitz seine Arbeit vor und diskutiert die Aufgaben und Herausforderungen eines Dokumentarfilmregisseurs.

 

Archiv

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