19. Januar 2017 17Uhr

IMM Studio A 2.24

Felix Krückels über 50 Mikrofone für eine Fernsehübertragung

Über 50 Mikrofone für eine Fernsehübertragung? Das klingt nach großem Orchester! Bei einer Surroundübertragung eines Fussballspiels sind dabei der Ball, der Sportler und das Publikum das Orchester. Bei einer Formel1 der Rennwagen, die quietschenden Reifen und der röhrende Auspuff.
Wie werden die Mikrofone bei einer modernen Sportübertragung platziert, wie können diese vielen Signale überhaupt live gemischt werden, auf welche Momente kommt es an.
Der Vortrag von Felix Krückels beleuchtet die spannenden und großen Herausforderungen einer modernen Fernsehübertragung.

Felix Krückels ist Business Development Director bei Lawo AG in Rastatt. In dieser Aufgabe bewertet und befördert er die Entwicklung und Umsetzung neuer Geschäftsideen und die Weiterentwicklung des Unternehmens, das in den vergangenen Jahren zusätzlich zu Audio-Broadcast-Lösungen die Geschäftsbereiche Audio über IP-Netzwerke und Videoprozessoren aufgebaut hat. Durch seine langjährige Tätigkeit bei Lawo als Senior Product Manager für die mc² Mischpultserie, die Nova Routingsysteme und die V__Line Videolösungen kann Felix Krückels auf eine reiche Erfahrung und ein umfassendes Knowhow für sein Aufgabenfeld zurückgreifen.
Der in Detmold ausgebildete Dipl.-Tonmeister arbeitete vor seiner Tätigkeit bei Lawo AG als hauptberuflicher Toningenieur vor allem auf Ü-Wägen. Felix Krückels ist immer noch bei einzelnen, besonders anspruchsvollen Broadcast-Produktionen wie Fußball WM und EURO sowie vieler Boxproduktionen von RTL, ARD und Sat1 in den letzten Jahren als Toningenieur im Einsatz, wodurch er sich den direkten Kontakt zur Branche erhält und nah dran an den Erfordernissen und Trends in modernen Fernseh- und Radio-Produktionen bleibt.

 

13. April 2017 17Uhr

IMM Studio A 2.24

Felix Kubin über subversive Grenzverschiebungen zwischen Geräusch, Text und Musik

In dem Vortrag von Felix Kubin geht es um die Frage, wie durch Wahrnehmungsverschiebung oder durch die Übertragung von Wissen aus einem vertrauten in einen fremden Bereich Bedeutungsebenen und Codes durcheinandergebracht werden. Was passiert, wenn sich Text in Klang, Geräusch in Musik, Musik in Bewegung verwandelt?
Um in der künstlerischen Praxis neue Ausdrucksmöglichkeiten zu finden, bedarf es nicht immer einer technisch-ästhetischen Revolution. Oft reicht es, sich wieder in den Zustand eines Anfängers zu versetzen. Das funktioniert zum Beispiel, indem ein bildender Künstler, der im Bereich der Musik ein Laie ist, sich plötzlich mit Sampling und Notation beschäftigt. Die ästhetischen Erfahrungen, die er in der visuellen Kunst gesammelt hat, wird er auf irgendeine Weise auf die Musik zu übertragen versuchen. Diese Mischung aus Wissen und Dilettantismus birgt ein großes Potenzial an überraschenden Ergebnissen.
In Felix Kubins Arbeiten werden die Grenzen zwischen Musik, Text und Geräusch, aber auch zwischen Publikum und Künstler ständig verschoben. Texte von Bedienungsanleitungen verwandeln sich in polyrhythmische Sprachgedichte, ein streng angelegter Katalog aus Alltagsgeräuschen löst sich in seine Bestandteile auf und ein improvisiertes Telefongespräch mit der eigenen Mutter wird zu einem Schallexperiment mit integriertem Sprachkurs.
Anhand vieler  Bild- und Tonbeispiele zeigt der Hamburger Künstler, wie durch (subversive) Grenzverschiebung in Wahrnehmung und Anwendung der Spaß am Experimentieren aufrechterhalten wird. Dabei geht es auch um die Reflektion der eigenen künstlerischen Praxis und ihrer Repräsentation im Außenraum.

Felix Kubin ist Komponist, Hörspielmacher und Medienkünstler. Bereits im Alter von 12 Jahren nahm er seine ersten elektronischen Stücke mit einem 4-Spur-Gerät auf. Kurz darauf spielte er bei Punk- und New Wave-Festivals des legendären Hamburger ZickZack Labels. Seit Ende der 90er Jahre befasst er sich mit futuristischer Popmusik, zeitgenössischer Kammermusik, ist Autor von ARD-Hörspielproduktionen und Betreiber des Plattenlabels Gagarin Records.

 

18. Mai 2017 17Uhr

IMM Studio A 2.24

Wolfgang Brauneis über Tonträger von Bildenden Künstlerinnen und Künstlern

Seit etwa einhundert Jahren integrieren Bildende Künstlerinnen und Künstler Musik in ihre künstlerische Praxis. Was mittlerweile längst als gängige transmediale Herangehensweise unter einem Schlagwort wie crossover abgeheftet wird, war zu Zeiten Luigi Russolos oder Marcel Duchamps eine im wahrsten Sinne des Wortes unerhörte Angelegenheit. Entlang ausgewählter Hörbeispiele wird in diesem Musikvortrag der Weg von der futuristischen und dadaistischen Geräuschkunst der 1910er Jahre über die Soundexperimente der Fluxus-Künstler/innen und anderer Neoavantgardist/innen der Nachkriegsjahrzehnte bis hin zu Belegen fruchtbarer Beziehungen zwischen Bildender Kunst und Punk, Pop, experimenteller und elektronischer Musik im späten 20. und frühen 21. Jahrhundert nachgezeichnet. Bei diesem Überblick über ein lange Zeit von der Kunstgeschichtsschreibung übersehenes Thema spielen die Tonträger Bildender Künstler/innen eine besondere Rolle, lassen sich doch in der Geschichte der Artists’ Records, entsprechend dem allgemeinen Wandel in der Tonträgerindustrie der vergangenen Jahrzehnte, beträchtliche Veränderungen ablesen.

Wolfgang Brauneis hat in Regensburg, Amsterdam und Köln Kunstgeschichte und Philosphie studiert. Er lebt seit 1995 in Köln und ist dort als freischaffender Kunsthistoriker und Mitbetreiber von a-Musik, einer Plattform - Label, Laden, Vertrieb, Veranstaltungsort und Radio - für experimentelle Musik tätig. Momentan ist er Gastprofessor an der Kunstakademie Münster, zuvor war zu Lehr- und Vortragstätigkeiten u.a. an der Zürcher Hochschule der Künste, der Merzakademie und der Staatsgalerie in Stuttgart, der Städelschule Frankfurt, dem Museum Ludwig Köln oder dem ZKM Karlsruhe. Er publizierte in Perlentaucher, artnet, Texte zur Kunst, Spex, testcard und diversen Ausstellungskatalogen, 2014 gründete er gemeinsam mit dem Bildenden Künstler Tim Berresheim (Aachen) und dem Kurator und Kunstkritiker Hans-Jürgen Hafner (Berlin) das Institut für Betrachtung

 

22. Juni 2017 17Uhr

IMM Studio A 2.24

Sylke Rene Meyer über raum-orientierte Stoffentwicklung für Non–linear Storytelling

Interaktive userorientierte Erzählformen lösen unser bisheriges Denken in der linearen Struktur der Zeit auf. Anders als in den filmischen Verlaufskünsten, entstehen die digital narratives erst durch den Gebrauch. Der User, anders als der Zuschauer, erspielt sich die Erzählung, gestaltet mit, und ist an objektive Zeitvorgaben nicht gebunden. Deshalb markieren Raum in einem narrativen Spiel oft mit der Frage, "wo" wir im Spiel sind. Es ist eine Frage, die gleichzeitig nach Raum und Zeit fragt, und die oft allein durch Raum beantwortet wird. Das Game, das Medium des 21. Jahrhunderts ist also nicht mehr zeitbasiert wie der Film, sondern raum-basiert.
Wie können oder sollten wir nun in diesem user-generierten Erzählraum noch künstlerische Kontrolle ausüben – welche Rolle spielt die Autorin in diesem Raum? Die raum-orientierte Stoffentwicklung ist eine Methode, um narrative non-lineare Projekte zu entwickeln. Basierend auf Studien von Affekt und theoretischen Arbeiten von Yuri Lotman, Michail Bachtin und Michel Foucault liefert die hier vorgestellte raum-orientierte Stoffentwicklung ein erstes Verfahren zur Stoffentwicklung für anwenderorientierte audiovisuelle Erzählung.

Sylke Rene Meyer ist Professorin für Drehbuch, Dramaturgie und Serial Storytelling an der Internationalen Filmschule Köln (ifs). Sie studierte an der FU Berlin Theaterwissenschaften, Philosophie und Jura, an der HFF Konrad Wolf in Potsdam-Babelsberg Drehbuch und Dramaturgie und ist Absolventin der Drehbuchwerkstatt München.
Seit 1999 arbeitet Sylke Rene Meyer in unterschiedlichen Bereichen der künstlerischen Filmgestaltung­–als Autorin, Editorin, Regisseurin für Dokumentar- und Spielfilme und als Medienkünstlerin. Ihre Arbeiten, Filme und Drehbücher sind mehrfach, unter anderem mit einem Emmy, ausgezeichnet worden. Sie beschäftigt sich darüberhinaus mit neuen medialen Formaten und Entwicklungskonzepten im Bereich des interaktiven und seriellen Erzählens und hat in diesem Zusammenhang die Performancegruppe Studio206 mitgegründet, die mit kollaborativen Erzählformen auf digitalen Plattformen und Live Performances experimentiert.

 

Archiv

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