30.April 2009 17Uhr
IMM Studio A 2.24
Matthias Hornschuh über komponierte Filmmusik
Die komponierte Filmmusik könnte 2008 ihren hundertsten Geburtstag feiern, doch keiner kriegt's mit. Irgendwie typisch für den Umgang mit dieser vielleicht wirkungsmächtigsten und doch unverstandensten aller Filmkünste. Wir haben – kulturell bedingt – nicht gelernt, hinzuhören, und schon gar nicht, uns Gänsehaut, Schauer, Tränen, Emotionen zu erlauben. Bloß: Im Kino erleben wir die Wirkungen der Tonspur. Und vermutlich hat jeder schon mal beim Fernsehen (!) den Ton (!) ausgeschaltet, als ihm der Horror in die Glieder kroch...
Wenn es bereits in den 1920er Jahren hieß, Musik sei im Film nur dann gut, wenn man sie nicht bemerke, und überhaupt bemerke man sie oft erst, wenn sie aufhöre, dann konnten die Zeitgenossen das nicht anders als ein vernichtendes ästhetisches Urteil über Musik betrachten: Musik, die man nicht hörte, konnte nicht gut sein. Dabei sind diese Beschreibungen kluge, psychologisch fundierte Beobachtungen alltäglicher multimodaler Wahrnehmungen – und damit des einzig menschenmöglichen Umgangs mit dem Multimedium Film, der eben keine visuelle Kunst ist, sondern eine audiovisuelle. Über Filmmusik zu sprechen ist schwer, die Probleme, die sich in diesem Sinne aus einer mangelhaften, meistenteils dogmatischen Theoriebildung für die Praxis ergeben, sind fundamental. Nach 100 Jahren ist es an der Zeit, die Filmmusik mit neuen Worten neu zu beschreiben. Sonst kann es passieren, dass sie früher oder später an ihrer Geringschätzung zugrunde geht. Und, wie gesagt, dann würden wir sie bemerken.
Matthias Hornschuh lebt als Filmkomponist in Köln. Er studierte u.a. Musikwissenschaft, Violine, E-Gitarre, arbeitete als Rockmusiker und Journalist. Aufsätze, Vorträge, Workshops, Lehrtätigkeit im Bereich Medienmusik. Er ist Vorstandsvorsitzender des Berufsverbandes mediamusic:nrw und gehört zur Programmleitung des europäischen Forums für Medienmusik SoundTrack_Cologne.
Filme, Hörspiele und Produktionen mit Musik und Akustischer Kunst von Matthias Hornschuh und seinem Bruder und Partner Andreas liefen auf unzähligen nationalen und internationalen Festivals und haben weltweit rund vierzig Preise gewonnen.

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